Jersbeker Straße

22.10.2025 - Vergangene Zeiten: Das einstige Einkaufsviertel Jersbeker Straße 

 

Mit dem Wandel der Jersbeker Straße hat sich die Geschichtswerkstatt Bargteheide e.V. mit Unterstützung des Museums intensiv beschäftigt. Gilla Maier-Jansen stellte kürzlich die Ergebnisse der Recherchen ihrer Arbeitsgruppe bei einem Erzählcafé im Seniorendorf vor. Das Clubrestaurant war voll besetzt, so groß war das Interesse. Thimo Scheel, der in der Jersbeker Straße aufwuchs, ergänzte die Präsentation mit Anekdoten. 

 

 

Früher bot die Jersbeker Straße alle notwendigen Dinge für das Alltagsleben. Es gab Lebensmittel-, Gemüse- und Obstgeschäfte, Feinkostläden, Backhäuser, Bäckereien und Fischhändler. Auch Drogerien, Textilhäuser, Schuhmacher, ein Uhrmacher und Optiker, eine Schlosserei, eine Sattlerei, eine Schmiede, Malerbetriebe, Friseure, Fahrradhändler und die Abfüllstation der Elbschlossbrauerei Hamburg waren dort ansässig. Zudem konnte man Patronen und Waffen für die Jagd, später auch Gebrauchtwagen und Schallplatten kaufen. Und Schokoladenmüller – wer kennt den noch? 

 

Heute existiert keines dieser Geschäfte mehr. Drei Unternehmen zogen in die Rathausstraße, das neue Zentrum: Optiker Scheel, Fahrrad Runge und die Musikschule Schinkewitz. Heutzutage kaufen die Menschen vorwiegend am Stadtrand ein. Viele Handwerksbetriebe haben sich in den Gewerbegebieten niedergelassen. Landwirt Ruge siedelte 1964 mit seinem Betrieb aus. 

 

Das Kaufhaus Hölty und die Drogerie Seegrön genossen einen Ruf, der weit über Bargteheide hinausging. „Hölty, Manufaktur und Konfektion. Alle fuhren in die Jersbeker Straße, um bei Hölty einzukaufen. Der hatte alles. Ein Kaufhaus, auf Augenhöhe mit Nessler in Ahrensburg. Es gab sogar Modenschauen. Das war der Laden in Bargteheide schlechthin“, erinnert sich Thimo Scheel. 

 

1970 eröffnete Aldi eine Filiale an der Ecke Jersbeker Straße / Alte Landstraße, woraufhin Anita Josten ihren Edeka-Lebensmittelladen schloss. Die Drogerie Seegrön stellte 1991 den Betrieb ein. Die Nachfrage nach Zutaten sank durch den Anstieg von Fertigprodukten, und viele Einkaufszentren in der Nähe machten das Geschäft unattraktiv. Mit dem Rückgang des Einzelhandels verlor die Jersbeker Straße ihre Bedeutung als Haupteinkaufsstraße. 

Heute dominieren Arztpraxen und Gesundheitsbetriebe die Jersbeker Straße, insbesondere in den alten Gebäuden auf der Südseite. Auf der gegenüberliegenden Seite wurden alte Gebäude abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Dabei verschwand auch die markante alte Kastanie mit dem kleinen grünen Platz. 

 

Die Arbeitsgruppe hat in den vergangenen Monaten Vieles zur Geschichte der Geschäfte, Kleinunternehmen und Handwerksbetriebe in der Jersbeker Straße dokumentiert. Ein erstes Gerüst ist entstanden. Die Ergebnisse sind demnächst auf der Homepage der Geschichtswerkstatt nachzulesen. Auf dieser Grundlage wird weiter geforscht.  Die Geschichtswerkstatt freut sich immer über Hinweise, Fotos und Dokumente unter 

 

Thimo_Scheel
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